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Viele Argumente, große Zweifel. BBT-Diskussionsabend in Klausen

Der gestrige BBT-Diskussionsabend im Dürersaal war gut besucht und bot viele Argumente pro und contra und eine angeregte Debatte. Wie es um das Projekt wirklich steht, konnte aber auch gestern nicht wirklich geklärt werden. Zu viele widersprüchliche Informationen sind im Umlauf, Befürworter und Gegner zogen sich auf ihre Positionen zurück, objektive Informationen sind kaum zu bekommen.

Der Dürer-Saal in Klausen war bei der gestrigen BBT-Debatte gut besucht

Foto Emanuel Moar

Den Anfang machte ein Impulsreferat von Lothar Gamper. Der Jurist mit Südtiroler Wurzeln begleitete 2008 als Mitarbeiter der Tiroler Landesumweltschaft das UVP-Verfahren für den österreichischen Teil des BBT und arbeitete sich umfassend in das komplexe Projekt und in die juristisch heikle Materie ein.

Lothar Gamper hat sich intensiv in die Materie eingearbeitet und steht dem BBT-Projekt sehr kritisch gegenüber

Lothar Gamper hat sich intensiv in die Materie eingearbeitet und steht dem BBT-Projekt sehr kritisch gegenüber (Foto Emanuel Moar)

Gamper fasste die BBT-kritischen Argumente sehr eloquent und überzeugend zusammen und ging vor allem auf die seiner Ansicht nach sehr schlechte volkswirtschaftliche Bilanz des BBT-Projektes ein. Gamper arbeitet heraus, dass die immer wieder in den Vordergrund gestellten Ziele des BBT-Projekts, wie Transitlärm- und -belastungsminderung mit anderen Maßnahmen erreicht werden könnten, die um ein vielfaches weniger kosten und beklagte die evidente Untätigkeit der Politik im Bereich der innovativen Verkehrspolitik.

Auch die CO2-Bilanz für den Tunnel falle negativ aus. Der Energieaufwand beim Bau – aber auch beim Betrieb – sei dermaßen hoch, dass auch ein sehr langfristiger und erfolgreicher Betrieb des Tunnels dies nicht aufwiegen könne. Gamper bemängelte auch das Fehlen eines Betriebskonzepts, das eine objektive Bewertung der rosigen Prognosen von Seiten der BBT-Befürworter erschwere.

Die Zusammenfassung des Vortrags von Lothar Gamper kann hier heruntergeladen werden (Quelle : Lothar Gamper)

Anschließend diskutierten die Gäste am Podium. Neben Lothar Gamper konnte der Moderator Markus Lobis den Landtagsabgeordneten der SVP Walter Baumgartner, den Landtagsabgeordneten der Grünen Hans Heiss und den Leiter der BBT-Beobachtungsstelle Martin Außerdorfer begrüßen.

Die Gäste am Podium: Martin Außerdorfer, Hans Heiss, Moderator Markus Lobis, Lothar Gamper und Walter Baumgartner

Die Gäste am Podium: Martin Außerdorfer, Hans Heiss, Moderator Markus Lobis, Lothar Gamper und Walter Baumgartner (Foto Emanuel Moar)

Die Debatte fasste zwar die Argumente von Befürwortern und Gegnern gut zusammen, brachte aber wenig Klarheit über den tatsächlichen Stand des BBT-Projekts. So wurde nicht klar, welche Bedeutung die Aussage der österreichischen Verkehrsministerin Doris Bures für das Projekt habe, dass die österreichische Regierung nicht vor 2016 die Bauentscheidung für die Hauptröhren treffen werde. Martin Außerdorfer maß dieser Aussage für den weiteren Verlauf des Projektes eine geringe Bedeutung bei und kündigte die Verfügbarkeit des BBT für 2025 an, während Hans Heiss davon ausgeht, dass die Krise der Staatsfinanzen in ein-zwei Jahren das Ende für das BBT-Projekt bedeuten wird.

Walter Baumgartner unterstrich erneut die Vorteile, die das BBT-Projekt in seinen Augen habe und die vor allem für das Eisacktal verspürbar sein werden, wenn es gelänge die Güter auf den Zug und den Zug in den BBT zu bringen und unterstrich seine Überzeugung, der BBT werde gebaut, weil er viele wirtschaftliche Vorteile bringe. Südtirol müsse diese Chance beim Schopf ergreifen und hätte keinen Vorteil, wenn die Investitionen anderswo getätigt würden.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Verein Heimat Brixen/Bressanone/Persenon, die Bürgerliste Klausen und Zigori MEDIA hatten zum BBT-Diskussionsabend geladen nach Klausen geladen und bieten die Veranstaltung auch am 19.1.2012, an, und zwar um 20 Uhr im Saal der Volksbank in Brixen.

Hans Heiss bemängelte die Untätigkeit der Südtiroler Landesregierung in Sachen Alpentransitbörse. Man habe zwar beim Dreier-Landtag ein feierliches Bekenntnis dazu abgelegt, nun beschäftige sich aber niemand konkret damit und das Thema sei nach dem Dreier-Landtag praktisch nie mehr aufgetaucht.

Lothar Gamper betonte, dass es Ungereimtheiten beim österreichischen UVP-Verfahren gegeben hätte und dass es durchaus auf der juristischen Ebene noch erhebliche Hürden für das BBT-Projekt gebe. Gleichzeitig führte er auch aus, dass es enormen Druck von Seiten der Politik gebe, dieses in seinen Augen unnütze Projekt auf Biegen und Brechen durchzuziehen.

Die Wortmeldungen aus dem Publikum brachten Argumente für und wider das Großprojekt ein, drehten sich aber vor allem um die Frage, welche Maßnahmen in absehbarer Zeit ergriffen werden können, um die hohen Belastungen aus dem Transit- und Eisenbahnverkehr im Eisacktal zu reduzieren.

 

Fazit des Abends: Es bleiben Zweifel über die Sinnhaftigkeit des BBT-Projekts, über dessen Finanzierbarkeit und die erhofften positiven Auswirkungen des BBT bestehen, bzw. sie wachsen weiter. Es entsteht der Eindruck, dass das geplagte Eisacktal noch lange auf Entlastung warten muss und dass nicht eindeutig feststeht, ob das BBT-Projekt überhaupt eine erhebliche Entlastung bringen kann.

Zum Abschluß des Abends kündigte Moderator und Mitorganisator Markus Lobis an, dass voraussichtlich im März wieder ein Diskussionsabend zum Thema BBT geplant ist. Im März wird sich die Debatte um die Risiken des Tunnelbaus für die Trinkwasserversorgung drehen, da die geplante Zulaufstrecke zwischen Franzensfeste und Waidbruck unterhalb der Schalderer Quellen verlaufen wird.

Text mit freundlicher Genehmigung Markus Lobis, ZigoriMedia. Zum Original Blog hier klicken.

Die Bilder des Abends

bbt infoabend 18.01.2012

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